Veröffentlichungen Heinz Schimmel
"Tanz der Seelen", Flensburger Hefte Verlag ISBN 3-926 841-53-2
Veröffentlicht im Lohengrinverlag:
Auswahl aus Gedichten
aus "Zwischen hier und dort"
Nichts erwarten
bereit sein
dienen
nur den Vogel
am Herzen
füttern
--.--
zwischen
den Welten
üben wir
am Trapez des Lebens
immer
die Angst
vor dem Absturz
immer
die Sehnsucht
nach der Höhe
immer
zu neuen Kunststücken
bereit
--.--
Lass uns gehen
die Alleen
entlang
wo der Raum
in den Faden der Zeit fließt
--.--
Wenn die Abendschatten
die Steine bedecken
ihre Vergangenheit
liebevoll
auf morgen
vorbereiten
tasten meine Füße
angstvoll
sie könnten sich
stoßen
an gestern
berühren zaghaft
den Weg
üben Vertrauen
das zarteste
aller Wagnisse
--.--
Der Mensch
immer übend
das Arme-Ausbreiten
diesen Kraftakt
immer haltend
die Gebärde der Liebe
an der Lichtlinie
immer ichend
wie Er
--.--
Und das Wort
bringt uns zum Schweigen
wenn es uns anweht
aus dem Flügelschlag
von hinter dem Raum
und vor dem Atem
der Zeit
--.--
Manchmal
wenn mein Fuß
tastet
nach einem Halt
spannt sich eine Brücke
von Wort
zu Wort
--.--
Lass uns Punkt werden
den Horizont durchbrechen
auf der Zeitlinie
in ewiger
Bewegung
ruhn
--.--
Am Brückengeländer
hält die Hand
eine handbreit
Unendlichkeit
fest
--.--
Und immer wieder
im Gezweig
meiner Glieder
des trauerndenVogels
Lieder
--.--
aus "Luftbrücken"
Warten
bis der Vogel
zurückkommt
mit dem Wort
aus der Luft
--.--
In der Hautnähe
zwischen
den Brüsten
Atemsprache
und Sprichnichtworte
umarmen sich
--.--
Wenn die Menschen
am Sonnenuntergang
naschen
sprich nicht
vom Aufgang
der Sonne morgen
sie verstehen dich nicht
und wollen ungestört
bleiben
--.--
Fernab
von den Hauptstraßen des Lebens
soll ich gehen
verlass mich nicht
Mut
den ständigen Wegbegleiter Einsamkeit
zu ertragen
--.--
Den sanften Vogel
mit den Flügeln
aus Vertrauen
nicht verletzen
damit die Luftbrücke
zwischen den Herzen
nicht abbricht
--.--
Sei wie der Baum
der sich nicht
beugt
der Sturm holt jedes
farbige Blatt
früher oder
später
Alle
welken
dahin
die Trauer
bleibt dir
erhalten
lerne sie
früh und
spät
sei wie der Baum
der Baum
der
mit gebundenen Füßen
langsam
wandert
zum Licht
--.--
aus "Hinter geschlossenen Wimpern"
Auf den Ton des Vogels
aus der blauen Ferne
lauschen
seine Flugsspur
üben
--.--
Unter die Ackerkrume
des Winters
kriechen
im Innensein den Frühling
gebären
helfen
--.--
Wenn unser Atem
sich berührt
auf dem Wege
zum Herzraum
webt unser
Schweigen
das zarteste
Kleid aus
den Fäden
Vertrauen
--.--
Getriebene sind wir
im Wasser der Gewohnheit
der Schwimmer gegen
den Strom
ist immer
auf dem Weg
zur Quelle
Unveröffentlicht:
aus: "Vom Sommer ins Wort" 1998
Ausgesetzte sind wir
in die Zeit
auf der Erde zu wurzeln
und Stamm zu werden
um Blätter zu bilden
und Blüten
Ausgesetzte sind wir
aus der Ewigkeit
um Erde zu wandeln
ins Wort
--.--
aus:"Wie ungesprochene Worte" 1999
Hätte ich Flügel
träumte ich mir
auf die oberste
Spitze des Baums
ein Nest
--.--
Bruder Tier
seit sie dich zurückließen
auf ihrer Wanderschaft
stellen sie ihren Fuß
auf dich in
Siegerpose
und feiern ihren Hochmut
sich jämmerlich haltend
an ihrer beschmutzten Senkrechte
und lassen dich mitleiden
für die Schulden die
sie auf sich luden
Bruder Tier
wenige nur blicken in
die fernen Zeiten
deiner Augen
aus denen der große Geist
uns fragend
anschaut
--.--
aus: "Wortfetzen aus Herbststürmen" 2000
Wenn der Baum
sein Kleid
ablegt
sich dem Himmel
verschenkt
seine Trauernden
Arme
ans Licht
klammert
wenn der Tod
seinen Sieg
feiert
die Himmelsbläue
das Geflecht
der erstarrten
Baumsprache
umhüllt
aus: "Und das Licht wird leichter"
Wenn uns
Flügel
wüchsen
der Vogelmensch
brächte das
Licht über
die Luftbrücke
--.--
Die Hortensien
sprechen noch Sommer
aber die Blätter
zittern schon
ängstlich
vor der Sprache des Windes
die Bäume wollen
schon wieder
knospen
--.--
Der Herbst
zerzaust mir
die Seele
verknotet
im Haar
die Gefühle
Gedanken
umflattern mich
wie das Laub
den Baum
der steht fest
an der Straße
des Lebens
kratzt
mit den Fingern
am Himmel
der steht offen
Jahrtausende lang
ungesehn
--.--
aus: "In die Finsternis geworfen" 2002
Mit dem Kopf
in den Wolken
sieht das Herz
ein Stück Himmel
--.--
Die Hämmer der Zeit
nutzen sich ab
aus dem Taktschlag
des Herzens
werden Blumen
erblühen
--.--
Lichtworte
wie Blumen
in die Finsternis
geworfen
nicht Stein werden
balancieren
auf dem Drahtseil
und manchmal
mit der Hand
in der Luft
den Halt suchen
im Lauschen
--.--
Immer der Stein
auf dem ich
tanze
dem sich die Füße
für Momente
entreißen
immer noch Erde
an Armen
und Beinen
aber
mit dem Vogel
im Herzen
dem die Hoffnung
die Luft unter
die Flügel bläst
--.--
aus: "Sprachlosigkeit" 2003
Die Himmel haben sich
geschlossen
weil die Worte nicht mehr
kommen
die sind in die
Sprachlosigkeit
gegangen
--.--
Die Worte
haben die Sprache
verloren
fallen
aus den Herzen
wie die Blätter
von den Bäumen
--.--
Komödianten, Mimen,
Schausteller und Tänzer,
ihr könnt euch die Seele
aus dem Leibe reißen -
sie applaudieren doch nur
sich selbst:
wenn ihr sie zum Lachen
bringt, habt ihr sie in
sich selbst bestätigt -
sprechen sie schlecht über
euch, habt ihr ihnen
zuviel Wahrheit zugemutet.
aus "Herbstlaub" 2004
Der Winter des Herzens hat sich
über die Erde gelegt
frostige Gehirne
schwitzen Wahnsinn aus
Dämonen mit Krawatte befehlen
den Geist aus der neuen Welt
MeRz Theater e.V., Brehmstr. 10, 30173 Hannover, Tel. 0511-815603, Fax 0511-8487843
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